«Die Linken behandeln Islamisten wie Kuscheltiere»

(Blick)

Islam-Kritikerin attackiert CVP-Präsident Pfister

Im Café The Studio im Ringier-Pressehaus wurde über die Radikalisierung von jungen Menschen und die Leistungsgesellschaft diskutiert.

  • Las in The Studio aus seinem Roman «Abschied»: Bischofssprecher und Schriftsteller Giuseppe Gracia.

Von Cinzia Venafro

Mit seinem Skandalbuch ist er in aller Munde – und bereits wird die zweite Auflage gedruckt: Gestern las Giuseppe Gracia (50), der vor allem als Sprecher des Churer Bischofs Vitus Huonder bekannt ist, aus seinem Roman «Abschied». Darin verüben Islamisten einen blutigen Anschlag auf die Berliner Kulturszene: Ein «berühmter Schweizer Tennisstar» wird darin genauso exekutiert wie der Ich-Erzähler selbst (BLICK berichtete).

«Wenigstens kann ich sagen, dass ich nicht feige gewesen bin, als man uns an dem Abend in Berlin, mit den hohen Gästen aus Politik und Kultur, hingerichtet hat.» Mit dem furiosen Satz beginnt das Buch. Und wirft die grossen Fragen auf: Kann man den Islam vom terroristischen Islamismus trennen? Wie soll die westliche Gesellschaft auf die Radikalisierung von jungen Menschen reagieren, die westliche Rechtsstaatlichkeit ablehnen? Und wie kommt man mit unserer Leistungsgesellschaft klar, jener «Degradierung des Menschen auf kommerzialisierte Ware», wie Gracia es umschreibt?

«Islam-Kritik ist nicht unbedingt Moslem-Kritik»

Darüber diskutierten CVP-Präsident Gerhard Pfister, Saïda Keller-Messahli, die Präsidentin des Forums für einen fortschrittlichen Islam, und der Autor in The Studio im Ringier-Pressehaus im Zürcher Seefeld.

«Den Islam zu kritisieren, heisst nicht, Moslems per se zu kritisieren», stellte Gracia klar. Trotzdem müsse man die Probleme benennen und sie nicht weichspülen, wie es «die gesamte europäische Linke» tue. Deren «politische Korrektheit» lässt ihm schier die Galle hochsteigen.

In diese Kerbe schlug auch Keller-Messahli. «Die Linke in Europa behandelt die Islamisten wie Kuscheltiere», so die gebürtige Tunesierin. Man wolle in Kreisen der Globalisierungsgegner «ja nicht zu genau hinschauen – man könnte ja eine Minderheit diskriminieren».

Eine Provokation, die CVP-Präsident Gerhard Pfister nicht stehen lassen mochte: «Diese Häme an den Linken teile ich überhaupt nicht!», sagte er. Er führte aus, dass der Islam «keine Aufklärung erlebt» habe, was das Hauptproblem sei. «In einem demokratischen Rechtsstaat haben Glaubensüberzeugungen hintenanzustehen.» Dazu hätten sich die christlichen Kirchen im Zuge der Aufklärung bekannt.

Doch in den rund 300 Moscheen der Schweiz werde exakt das Gegenteil gepredigt, sagte Keller-Messahli. «Es beunruhigt mich, wie viele radikale Prediger ungeschoren in der Schweiz herumreisen.» Sie verlange von der Politik, dass sie da «endlich handle».

«Dann müssen wir einschreiten»

«Wir müssen tatsächlich wissen, was in den Moscheen vertreten wird», pflichteten ihr Gracia und Pfister bei. «Und wenn das gegen unseren Rechtsstaat verstösst, müssen wir einschreiten.» Pfister zog den Vergleich zum Umgang mit Rechtsradikalen: Bei denen schaue der Staat zu Recht genau hin, mit derselben Aufmerksamkeit müsse der Diskurs in den Moscheen unter die Lupe genommen werden.»

In einem waren sich alle einig: «Man darf die Terroristen nicht als Monster sehen», wie es Gracia ausdrückte, «sondern als Menschen. Nur so können wir erahnen, warum junge Menschen im Namen des Islam töten.»

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