Wie viel Christentum braucht unsere Gesellschaft?

Podium von «Die Ostschweiz»

Steht der Glaube an einen Gott dem Fortschritt im Weg? Oder braucht auch eine moderne Gesellschaft ein «moralisches Korsett», um nicht zur Barbarei zu werden? Vier Persönlichkeiten diskutierten das an einer Veranstaltung von «Die Ostschweiz».

Die Angst vor dem Virus hindert Interessierte offenbar nicht mehr länger daran, das Haus zu verlassen. Coronakonform war der St.Galler Pfalzkeller für den Anlass von «Die Ostschweiz» mit rund 100 Stühlen besetzt, und nur ganz wenige blieben noch frei. Und das zu einem Thema, das keinen hitzigen Schlagabtausch zwischen Parteienvertretern versprach, sondern in die Tiefe ging.

«Brauchen wir das Christentum noch? Oder genügt der Glaube an Fortschritt und Globalisierung?» Das war die Fragestellung des Abends. Anlass gab das neue Buch des St.Galler Autors Giuseppe Gracia, «Der letzte Feind», in dem er in Form eines Vatikanthrillers verschiedene Protagonisten ihre Sichtweise darauf darlegen lässt.

Giuseppe Gracia bei der einführenden Lesung.

Den Auftakt machte der Autor denn auch gleich selbst mit einer kurzen Lesung einiger Passagen seines neuen Romans, der in der ersten Auflage schnell ausverkauft war. Dabei wurde deutlich, dass es Gracia versteht, philosophische Fragen mit überraschenden Ereignissen und Wendungen zu verknüpfen. Im Rahmen einer spannenden Handlung erhält man einen Einblick ins Innenleben des Vatikans und seiner Akteure.

Danach gehörte die Bühne drei weiteren Gästen. Der Satiriker Andreas Thiel, die Unternehmerin Bettina Hein Göldi und die St.Galler Nationalrätin Esther Friedli bestritten zusammen mit Giuseppe Gracia das Podium.

Von links: Moderator Stefan Millius, Nationalrätin Esther Friedli, Autor Giuseppe Gracia, Unternehmerin Bettina Hein Göldi und Satiriker Andreas Thiel.

Schnell wurde deutlich: Alle vier sehen in der christlichen Kultur einen wesentlichen Pfeiler für unsere Gesellschaft. Weniger in der institutionalisierten Form, den Kirchen, als vielmehr im spirituellen Überbau, in der Verständigung auf gemeinsame moralische Werte. Diese brauche eine Gemeinschaft, waren sie sich einig. Wobei sich die Unterschiede in den Details zeigten. Bettina Hein Göldi sah es nicht als unabdingbar ab, dass jemand an Gott glaubt, um sich anständig zu verhalten, während Esther Friedli die abendländische Kultur als Voraussetzung für das friedliche Zusammenleben sieht.

Esther Friedli und Giuseppe Gracia.

Andreas Thiel sieht in seiner gewohnt amüsant-provokanten Weise eine Art Gottesstaat, der heranzieht – mit einem Virus als Gott und Bundesräten und Experten als seinen Hohepriestern. Mit der Folge, dass die Gläubigen nun die aus seiner Sicht nutzlosen Schutzmasken tragen. Giuseppe Gracia betonte, es gebe anständige Leute unter den Gläubigen wie unter den Nichtgläubigen, aber in der Gesamtheit seien Kulturen, in denen das Christentum die Leitplanke sei, friedlicher und hielten sich an die Menschenrechte.

Bettina Hein und Andreas Thiel.

Vergleiche zwischen den verschiedenen Religionen, die Frage, wie viel Platz die Leitlinien des Christentums in der Wirtschaft haben, der Vergleich zwischen Aufklärung und Religion: Viele Themen wurden angeschnitten und angeregt diskutiert.

Den Abschluss bildete ein Apéro, bei dem ein grosser Teil der Besucherinnen und Besucher noch verweilte und die Möglichkeit hatte, mit den Podiumsteilnehmern direkt zu sprechen.

«Die Ostschweiz» wird in Zukunft weitere Veranstaltungen ausrichten. Wenn Sie jeweils frühzeitig informiert und auch an exklusiven Anlässen teilnehmen möchten: Dafür steht unser «Club» bereit. Als Gönner sind Sie Teil unseres Mediums – und eines spannenden Netzwerks.


Quelle: https://www.dieostschweiz.ch/artikel/wie-viel-christentum-braucht-unsere-gesellschaft-kY8xxX6

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