„Der Tod ist ein Kommunist“

(Achgut)

Im Folgenden geben wir einen Auszug aus dem im Juli erscheinenden Roman „Der Tod ist ein Kommunist“ von Giuseppe Gracia wieder. Nachdem der Schweizer im letzten Jahr den Vatikan-Krimi „Der letzte Feind“ veröffentlicht hat, setzt er sich nun auf humorvolle Weise mit der Corona-Krise auseinander. Aus dem Klappentext:

„In Bezug auf die Corona-Pandemie hat der Professor offenbar Wahnvorstellungen entwickelt. Journalist Hofstetter besucht seinen Doktorvater und Freund in der Psychiatrischen Klinik Hobelberg, wo der Emeritus für Philosophie therapiert wird. Der alte Mann muss die Menschheit davor warnen, sich impfen zu lassen. Er geht fest davon aus, dass hinter der Corona-Politik eine Verschwörung steckt. Hofstetter versucht, den internierten Freund zur Vernunft zu bringen. Doch dann wird er auf offener Straße entführt. Die schwer bewaffnete Gruppe «weiß», dass demnächst der Untergang der Menschheit stattfindet. Sie prophezeien Schreckliches – unter anderem den Fluch einer plötzlich auftretenden, geheimnisvollen Unfruchtbarkeit der Männer. Hofstetter glaubt kein Wort, bis ihm die schöne Nathalie begegnet und ihm mit ihren grünen Augen klarmacht: die wahre Liebe existiert, und es ist ihre Mission, die Welt zu retten.“

Auszug:

Noch nie war der Hofstetter entführt worden und hätte sich nicht träumen lassen, dass es eines Tages in einer Limousine weit über seiner Einkommensklasse geschehen würde, auf dem Rücksitz neben einer schönen Frau, die nach Parfüm roch (Zitrus in der Kopfnote, Holz in der Basisnote).

„Wer sind Sie?“

Die Frau betrachtete ihn mit dem Schweigen ihrer grünen Augen, während sie hin- und her geschüttelt wurden, weil der Fahrer mit hoher Geschwindigkeit durch die Straßen Zürichs schoss und eine Tiefgarage ansteuerte.

Im Innern der Garage dann quietschende Reifen im Halbdunkel, und im Innern des Halbdunkels weiterhin das Parfüm der Unbekannten mit den grünen Augen, durchschnitten vom hereinflackernden, vorbeigleitenden Neonlicht der Tiefgarage.

„Bitte, ich bin total unwichtig. Ich bin Journalist.“

Keine Antwort, nur ein Grunzen vom Fahrer vorne.

Man brachte Hofstetter in einen großen, klimatisierten Raum und fesselte ihn an einen Bürostuhl.

Ein Mann mit graumelierten Haaren und randloser Brille, der die Frau mit den grünen Augen begleitete, wartete im Raum.

„Wissen Sie, was los ist, Herr Hofstetter?“

„Was los ist? Ich bin gefesselt.“

Der Mann mit der Brille schien überrascht. Er runzelte die Stirn, während die Frau mit den grünen Augen zu Hofstetter kam.

Sie beugte sich zu ihm herab, ganz so, als wolle sie sich sein Gesicht einprägen, seine Augen, seine Stirn, seine Haare. Dann küsste sie ihn plötzlich – mit Lippen wie Rosenblätter.

Hofstetter begann zu zittern.

„Ich werde ihn lieben“, sagte die Frau. „Ich habe es gewusst, ich habe es von Anfang an gewusst.“

„Bitte“, keuchte Hofstetter, „das ist Folter.“

Der Mann mit der Brille schickte die Frau hinaus.

„Du kannst ihn nachher sehen, im Hotel“, sagte er.

Als die Frau weg war, erklärte der Mann: „Mein Name ist Brenner.“

„Gratuliere.“

„Ich werde Ihnen erklären, warum Sie hier sind“, erklärte Brenner. „Sie werden zuhören. Sie werden offen sein für die Möglichkeit, dass das, was Sie hören, wahr ist.“

Hofstetter nickte. „Ich werde offen sein wie nie.“

Brenner begann zu sprechen. Die Verschwörungstheorie, erklärte er, wonach es globale Mächte gebe, die verschiedene Pandemien sowie die Klimakrise dazu nutzten, um einen Umbau der sozialen und ökonomischen Grundlagen der Menschheit durchzuführen, sei keine Theorie, sondern eine Tatsache. Das werde dem einfachen Volk verschwiegen, denn dieses sei zu dumm und würde, wenn es die Wahrheit wüsste, nur Probleme machen, also den großen Plan stören. Dieser große Plan allerdings, erklärte Brenner, sei nicht das Problem, denn auf der Welt habe es immer große Pläne gegeben, genauer gesagt: Es habe immer Reiche und Mächtige gegeben, die versucht hätten, der Menschheit ihren Stempel aufzudrücken. Diese Mächtigen seien zum Glück aber regelmäßig gestorben, und so seien auch ihre Pläne gestorben, vom Winde in alle Himmelsrichtungen der Vergänglichkeit gestreut, so Brenner in einem Anflug von Poesie. Irgendwann beende der Tod nun einmal alles, meistens mitten unter der Woche. Große Pläne seien also nicht das Problem, so Brenner. Das wirkliche Problem bestehe in den Kollateralschäden des Größenwahns. Während Pläne und Größenwahn vergänglich seien, könnten die Kollateralschäden eine sehr langlebige Wirkung entfalten. Wirtschaftlicher Massenruin, Bürgerkrieg, ja die totale Auslöschung der Menschheit.

„Bisher alles klar?“, wollte Brenner wissen.

„Ganz und gar nicht“, erwiderte Hofstetter.

„Gut“, fuhr Brenner fort. „Das Problem ist, dass wir in wenigen Jahren eine verhängnisvolle Demokratie- und Freiheitskrise erleben werden, verschärft durch die Klimakrise.“

„Und das wissen Sie ganz sicher?“

„Todsicher. Verschiedene wirtschaftliche und politische Krisen führen zum Untergang der Menschheit, wie wir sie heute kennen.“

„Und das wissen Sie so genau, weil Sie – in die Zukunft sehen?“

„Ich bitte Sie.“ Für einen Moment tanzte die Andeutung eines Schmunzelns um Brenners sachlichen, trockenen Mund. Dazu glänzte die randlose Brille. „Niemand kann in die Zukunft sehen.“

„Natürlich nicht.“

„Nein. Wir kommen aus der Zukunft. Aus dem Jahr 2075.“

„Ach so“, antwortete Hofstetter.


Giuseppe Gracia ist als PR-Berater und Autor tätig. Bis März 2021 war er Sprecher von Bischof Peter Bürcher, Apostolischer Administrator des Bistums Chur. Außerdem ist er Kolumnist bei der Schweizer Zeitung BLICK sowie Achgut.com-Autor.

Dies ist ein Auszug aus: „Der Tod ist ein Kommunist“ von Giuseppe Gracia, Erscheinungsdatum: Juli 2021, Kreuzlingen: Fontis Verlag.

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