Birgit Kelle will keinen schwulen Superman und ist trotzdem Feministin durch und durch

Portrait zu Birgit Kelle

Die Beststellerautorin Birgit Kelle gehört seit Jahren zu den mutigsten Frauenstimmen im deutschsprachigen Raum. Trotzdem bleibt ihr die breite Anerkennung bislang verwehrt, weil sie sich die Frechheit leistet, keine Linke zu sein. Eine Würdigung.

Von FOCUS-Online-Gastautor Giuseppe Gracia

Oberflächlich betrachtet ist Birgit Kelle eine bürgerliche, traditionsverbundene Katholikin, die sich hervorragend in Talkshows schlägt und ihre Sicht der Dinge rhetorisch geschliffen kundtut. Deswegen hat sie immer wieder Probleme. Denn eine starke Frauenstimme wird im aktuellen Mainstream nur dann wirklich gefördert, wenn damit linksgrüne Positionen verbunden sind.

Stattdessen kritisiert Kelle seit Jahren das Gender Mainstreaming und scheut sich nicht, aktuelle Heiligenfiguren wie Greta als politisch missbrauchtes Mädchen zu betrachten, im Hintergrund gesteuert von grünen Apokalyptikern mit Steuererhöhungs-Agenda. Konsequent greift Kelle den Zeitgeist am liebsten dort an, wo die heissen Eisen warten: Migration, Sexismus, Ehe für alle, Klima, Rassimus, EU. Kelle schwimmt weiter gegen den Strom, wenn sich selbst Satiriker lieber tot stellen (Corona-Maßnahmen, Regenbogenfahne, Transsexualität).

Heute werden viele Feministinnen in den großen Foren als mutig gefeiert, die den medialen Mainstream noch nie herausgefordert haben. Frauen, die mitschwimmen im linksgrünen Strom gegen den bösen, alten, weißen Mann. Im Vergleich dazu hat Kelle wirklich den Mut, sich mit dem Zeitgeist anzulegen. Und nimmt es hin, dass man ihr böse Etiketten an die Stirn klebt: reaktionär, frauenfeindlich, rassistisch, volksverhetzend, Nazibraut.

Birgit Kelle: Sie will keinen schwulen Superman und kein Weichei als James Bond

Auch auf Twitter meldet sich Kelle zu Wort, bezeichnete den letzten 007 mit Daniel Craig als Weichei und will auch keinen schwulen Superman, den Hollywood offenbar plant. „Womit haben wir Frauen das verdient?“ fragte sie und stellte klar, dass sie im Kino echte Männer sehen will.

An der Oberfläche kämpft diese Frau gegen die Propagandamaschine der Identitäts-Politik. Unter der Oberfläche aber ist Kelle eine Feministin – eine ganzheitliche Feministin. Das ist etwas Anderes als der Mainstream-Feminismus. Der ist ziemlich einseitig fixiert auf Karriere und Machtpositionen. Die emanzipierte Frau soll ganz in ihrer Funktion als Humankapital aufgehen. Emanzipation gleich Geld und Macht. Kelle findet das falsch und fragt, wer sich denn noch politisch einsetzt für klassische Familien, die nach wie vor die Mehrheit der Bevölkerung ausmachen? Sie beklagt, dass es keine Lobby gibt für die Millionen Mütter, die zu ihren Kindern schauen, statt sie in die Krippe zu geben. Dass die glückliche Vollzeitmutter im Mainstream-Feminismus überhaupt nicht vorkommt und nicht vorkommen darf. Und dass es deswegen eine steuerliche Diskriminierung zwischen Fremd- und Selbstbetreuung gibt.

Unter der Oberfläche brodelt ihr Feminismus

Ganzheitlicher Feminismus bedeutet: keine Abwertung der Mutterschaft. Keine Reduktion von Liebe und Familie auf ein nebenberufliches Hobby. Es bedeutet: echte Wahlfreiheit für Frauen, ohne finanzielle Bestrafung der Vollzeitmutter. Es bedeutet die politische Botschaft: Mutterschaft ist keine verlorene Bürozeit, sondern wertvolles Familienmanagement. Und die entscheidende Arbeit im Dienst der künftigen Generationen unserer Gesellschaft.

Wieso ein ganzheitlicher Feminismus für Kelle so wichtig ist, versteht man noch besser nach der Lektüre ihres schmalen Bandes “Camino”, der gerade eben erschienen ist. Es ist ein sehr persönliches Buch. Die Autorin erzählt von 300 Kilometern, die sie im Winter allein zu Fuß zurückgelegt hat, auf dem Jakobsweg bis nach Santiago de Compostela. Es geht um Selbstsuche und quälende Fragen. Es geht um das Davonlaufen vor sich selbst. Um die Frage, was eigentlich der Sinn des Daseins ist, der Sinn des ganzen Kampfes. Um die Frage, ob ein Mensch am Ende wissen kann, ob es richtig ist, was er tut. Ob es der richtige Weg ist, den er geht. Ob er nicht lieber umkehren und neu anfangen soll. Ganz wie im wahren Leben.

Camino. Mit dem Herzen gehen: Pilgern auf dem Jakobsweg

«Den Camino geht man nicht mit den Füßen», sagt der Pater zum Abschied: «You have to go it by heart, not by foot.» Aber wie geht man einen Weg mit dem Herzen, wenn die Füße davon nichts wissen und der Kopf sowieso seine eigenen Wege geht? Birgit Kelle zieht einfach los. 300 Kilometer zu Fuß, als Frau allein im Winter auf dem Jakobsweg bis nach Santiago de Compostela. Dabei hat sie nicht nur das Nötigste auf dem Rücken, sondern schleppt auch ein paar wütende Fragen mit im Gepäck: Kämpfe ich gegen den Wind, gegen einen Widersacher, oder nur gegen mich selbst? Auf dem Camino findet sie den Raum, um Dinge zu bewegen. Und trifft Menschen: «Es waren oft genau die richtigen zur richtigen Zeit. Wir waren Gefährten, alle auf demselben Weg, auch wenn man sich zeitweise aus den Augen verliert. Du musst hier keinem was erklären; ein unausgesprochenes gegenseitiges Verstehen liegt über diesem Weg.» «Es hat etwas von Freiheit, aber auch etwas vom Davonlaufen. Jeder hat seine Gründe, zu gehen. Jeder hat Ballast im Rucksack. Vielleicht sind die steinigen Geröllhänge in Wahrheit die emotionalen Schuttberge, die Millionen Pilger hier in den letzten Jahrhunderten mitgebracht und abgeladen haben.» – Birgit Kelle

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Quelle: https://www.focus.de/panorama/portrait-zu-birgit-kelle-birgit-kelle-will-keinen-schwulen-superman-und-ist-trotzdem-feministin-durch-und-durch_id_24384486.html

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